Der Grading-Guide 2026
Wie Slabs Wert, Vertrauen & Resale prägen – und was PSA Frankfurt, Millionen-Backlogs und TAG für Collector verändern.
Grading ist längst mehr als ein Zusatzservice für Sammelkarten. Ein Slab kann Vertrauen schaffen, den Zustand dokumentieren, eine Karte schützen und den Wiederverkauf erleichtern. Gleichzeitig beeinflussen Grading Companies heute selbst, wie Karten wahrgenommen, verglichen und teilweise bewertet werden.
2026 verändert sich dieser Markt sichtbar. PSA baut seine Kapazitäten weltweit aus und hat mit Frankfurt erstmals ein vollwertiges Grading-Center in Kontinentaleuropa gestartet – arbeitet gleichzeitig aber noch immer einen Backlog von mehreren Millionen Items ab. CGC erreicht neue Volumenrekorde und TAG gewinnt mit seinem technologiegestützten, stark dokumentierten Ansatz weiter an Zulauf.
Dieser Guide soll deshalb nicht beantworten, welcher Slab „der beste“ ist. Er zeigt dir, wie Grading funktioniert, was sich aktuell im Markt verändert und wie du für eine konkrete Karte entscheidest, ob Grading überhaupt sinnvoll ist – und welcher Grader zu deinem Ziel passt.
Quick Facts
Warum Grading so wichtig geworden ist
Im Idealfall reduziert Grading Unsicherheit. Eine Karte wird authentifiziert, ihr Zustand wird bewertet und das Ergebnis in einem Slab dokumentiert. Käufer können sie dadurch leichter mit anderen Exemplaren vergleichen.
Gerade bei Raw Cards bleiben sonst mehrere Fragen offen.
| Frage | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Ist die Karte echt? | Besonders relevant bei Vintage, hochpreisigen Singles, Autographs und häufig gefälschten Karten. |
| Wurde die Karte verändert? | Trimming, Cleaning oder andere Eingriffe können Authentizität und Wert erheblich beeinflussen. |
| Wie gut ist die Condition wirklich? | Print Lines, Dimples, kleine Kratzer oder leichtes Whitening sind auf Verkaufsfotos häufig schwer zu erkennen. |
| Ist eine 9 oder 10 realistisch? | Der Preisunterschied zwischen Raw, 9 und 10 kann je nach Karte erheblich sein. |
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Grading übersetzt einen Teil dieser Unsicherheit in eine standardisierte Bewertung. Genau darin liegt der große Nutzen.
Gleichzeitig sollte man nicht den Fehler machen, einen Grade mit objektiver Wahrheit gleichzusetzen. Ein Grade ist die Bewertung eines bestimmten Grading-Unternehmens nach dessen Standards und Prozessen.
Und der Markt bewertet nicht nur die Zahl. Er bewertet auch das Label darüber.
Eine gegradete Karte ist nicht automatisch eine bessere Karte. Der Slab dokumentiert und reduziert bestimmte Unsicherheiten. Marktwert und Liquidität können zusätzlich davon abhängen, welcher Grader die Karte bewertet hat.
Grading ist ein Trust-System
Genau deshalb hat Grading so viel Einfluss bekommen. Käufer müssen eine Karte nicht jedes Mal vollständig neu bewerten, sondern können einen bekannten Slab und Grade schneller einordnen.
Das ist besonders bei Online-Verkäufen hilfreich. Gleichzeitig entsteht dadurch ein Brand-Effekt: Ein PSA 10, BGS Black Label oder anderer bekannter Grade besitzt im Markt eine Bedeutung, die über den Kunststoffholder hinausgeht.
Grading beschreibt den Markt deshalb nicht nur. In vielen Segmenten prägt es ihn aktiv mit.
Der Grading-Markt 2026
Die vielleicht auffälligste Entwicklung 2026 ist nicht ein neues Label oder ein neuer Slab. Es ist die schiere Menge an Karten, die inzwischen gegradet wird.
Nach den von GemRate erfassten Daten wurden im August 2026 rund 3,40 Millionen Karten von den großen Grading-Unternehmen verarbeitet. Das waren zwar etwa 6 % weniger als im Juli, aber rund 47 % mehr als im August 2025.
| Grader | August 2026 | vs. Juli | vs. August 2025 |
|---|---|---|---|
| PSA | ca. 2,20 Mio. | −12 % | +32 % |
| CGC* | ca. 937.000 | +9 % | +114 % |
| Beckett | ca. 159.000 | −1 % | +147 % |
| TAG | ca. 58.000 | +2 % | +76 % |
| SGC | ca. 42.000 | −3 % | −64 % |
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* GemRate weist darauf hin, dass CGC im August rund 65.000 semi-rigid AUTH Cards zu seinem Population Report hinzugefügt hat.
PSA bleibt damit mit Abstand der größte einzelne Grader. Gleichzeitig zeigt das Wachstum außerhalb von PSA, dass Collector nicht ausschließlich auf einen Anbieter setzen.
Besonders CGC und TAG erreichten im August neue Höchststände. Auch Beckett lag deutlich über dem Vorjahresniveau.
Grading-Volumen misst Aktivität – nicht automatisch Marktwert oder Käuferakzeptanz. Ein Unternehmen kann stark wachsen und trotzdem in bestimmten Kartensegmenten weniger liquide sein als ein etablierter Konkurrent.
Warum diese Zahlen für Collector wichtig sind
Mehr Volumen bedeutet mehr Populationsdaten, mehr Slabs im Secondary Market und langfristig auch mehr Sales Comps. Gleichzeitig steigt der operative Druck auf Grading Companies, wenn Submission-Wachstum schneller ist als ihre Verarbeitungskapazität.
Genau diese Spannung sieht man 2026 besonders deutlich bei PSA – und zeitweise auch bei TAG.
PSA Frankfurt: Grading kommt nach Europa
Für europäische Collector ist Frankfurt eine der wichtigsten Grading-Entwicklungen des Jahres.
PSA hatte 2025 angekündigt, in Frankfurt das erste vollwertige Authentication- und Grading-Center des Unternehmens in Kontinentaleuropa aufzubauen.
Im Juni 2026 konkretisierte PSA den Rollout: Ab Juli sollte der Standort Einsendungen autorisierter PSA-Händler und Partner aus Kontinentaleuropa und Irland annehmen. Authentication und Grading vor Ort waren ab August vorgesehen.
Frankfurt ist inzwischen operativ
Der Standort ist inzwischen mehr als eine Ankündigung. Europäische Submissions werden in Frankfurt bearbeitet, und Collector dokumentieren Orders, die dort bereits Processing-Stufen wie Assembly und Quality Assurance durchlaufen.
Was weiterhin unterschieden werden muss: laufendes Grading in Frankfurt ist nicht dasselbe wie ein vollständig geöffneter Direct-Submission-Service für jeden privaten Collector in Europa.
Der bisherige Rollout erfolgt über autorisierte Händler und Partner. PSA hatte breiteren Zugang für Collector im weiteren Jahresverlauf angekündigt.
PSA Frankfurt ist bereits ein echter europäischer Grading-Standort. Das bedeutet aber noch nicht, dass alle Service-Tiers und Direct-Submission-Wege für Privatsammler bereits vollständig verfügbar sind. Prüfe deshalb vor jeder Submission den aktuell angebotenen europäischen Einreichungsweg.
Was verändert Frankfurt praktisch?
Bisher bestand eine typische PSA-Submission aus Europa häufig aus mehreren Logistikschritten:
| Bisher häufig | Mit lokalem europäischen Grading |
|---|---|
| Versand innerhalb Europas zu einem Dealer oder Middleman | Weiterhin Dealer-/Partnerweg möglich |
| Weiterleitung in die USA | Grading kann direkt in Frankfurt erfolgen |
| Transatlantischer Kartenversand | Kürzere internationale Transportkette |
| Rückweg aus den USA | Lokalisierter europäischer Rückweg möglich |
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Das kann Transportwege verkürzen, Cross-Border-Logistik vereinfachen und das Risiko eines langen transatlantischen Versands reduzieren.
Es bedeutet aber nicht automatisch, dass Grading plötzlich günstig oder schnell ist. Service-Level, verfügbare Kapazitäten, Submission-Kosten und tatsächlicher Turnaround bleiben entscheidend.
Vergleiche bei einer europäischen Submission nicht nur die Grading Fee. Rechne den gesamten Weg: Versand, Versicherung, Middleman-Kosten, mögliche internationale Logistik und die Zeit, in der deine Karte gebunden ist.
PSA und der Millionen-Backlog
Die andere Seite des enormen PSA-Wachstums ist der aktive Backlog.
Die Nachfrage stieg 2026 so stark, dass PSA mehrere Value-Service-Tiers zeitweise für neue Submissions pausierte.
Ende Juli erreichte der aktive Rückstand rund 12,4 Millionen Items. Seitdem sinkt die Zahl wieder deutlich.
| PSA Update | Aktiver Backlog |
|---|---|
| 28. Juli 2026 | ca. 12,4 Mio. |
| 11. August 2026 | ca. 11,85 Mio. |
| 25. August 2026 | ca. 10,9 Mio. |
| 8. September 2026 | ca. 9,9 Mio. |
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Der Trend ist also positiv: Gegenüber Ende Juli ist der aktive Rückstand um rund 2,5 Millionen Items gefallen.
PSA erklärte beim Update vom 8. September, dass bei anhaltendem Verarbeitungstempo noch im September geprüft werden könne, wieder einen Service-Tier zu öffnen.
Backlog bedeutet nicht niedrigen Output
Genau hier ist die Einordnung wichtig. PSA gradet nicht wenige Karten.
GemRate erfasste allein im August rund 2,20 Millionen PSA-gegradete Karten. Im Juli waren es sogar ungefähr 2,49 Millionen.
Der Rückstand entstand deshalb nicht primär, weil kaum Karten verarbeitet wurden, sondern weil die Submission-Nachfrage zeitweise noch stärker wuchs als die verfügbare Kapazität.
Turnaround gehört in deine ROI-Rechnung. Bei einer modernen Rookie- oder Prospect-Karte kann ein langer Processing-Zeitraum wirtschaftlich wichtiger sein als ein kleiner Unterschied bei der Grading Fee.
Zeit bindet ebenfalls Kapital
Sobald deine Karte beim Grader liegt, kannst du sie nicht verkaufen. Bei einer langfristigen PC-Karte ist das möglicherweise völlig irrelevant.
Bei einem Spieler, dessen Markt gerade von Performance, Rookie-Saison, Call-up, Playoffs oder kurzfristiger Aufmerksamkeit abhängt, kann der gleiche Zeitraum entscheidend sein.
Die großen Grader im Überblick
Es gibt nicht den einen Grader, der für jede Karte automatisch die beste Wahl ist.
Marktakzeptanz, Kartensegment, Grading-Ansatz, gewünschte Transparenz und dein eigenes Sammelziel können zu unterschiedlichen Entscheidungen führen.
| Grader | Stärken | Interessant für | Beachten |
|---|---|---|---|
| PSA | Sehr breite Marktakzeptanz, starke Käufer-Vertrautheit, viele Sales Comps | Resale, Sports Cards, TCG und viele moderne Segmente | Backlog, verfügbare Service-Tiers, Kosten und begrenzte Erklärungstiefe |
| SGC | Lange Reputation, besonders im Vintage-Bereich | Vintage und klassische Sports Cards | Resale-Werte immer segmentbezogen prüfen |
| BGS | Subgrades und bekannte Premium-Outcomes | High-End und Karten, bei denen Subgrades wichtig sind | Black Label ist extrem selten und kein realistischer Standardfall |
| CGC | Starke Position in TCG, Comics und Non-Sport; stark wachsendes Volumen | Pokémon, TCG, Comics und Non-Sport | Sports-Akzeptanz je Segment separat prüfen |
| TAG | Digitale Reports, detaillierte Dokumentation und technologiegestützte Analyse | Modern Cards, Education und Collector, die Transparenz priorisieren | Secondary-Market-Liquidität ist noch segmentabhängig |
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PSA
PSA bleibt in vielen Bereichen der wichtigste Liquiditäts-Grader. Eine PSA 9 oder PSA 10 kann von vielen Käufern schnell eingeordnet werden und für zahlreiche Karten existieren tiefe Sales-Comps.
Dieser Netzwerkeffekt ist ein wesentlicher Teil der Stärke von PSA.
Das bedeutet nicht automatisch, dass PSA jede Karte objektiv „besser“ bewertet. Es bedeutet vor allem, dass sehr viele Käufer das Label kennen und akzeptieren.
SGC
SGC besitzt besonders bei Vintage und klassischen Sports Cards eine lange Reputation. Viele Collector schätzen außerdem den charakteristischen schwarzen Holder.
Bei modernen Karten sollte man trotzdem reale Sales Comps des konkreten Segments prüfen. Eine SGC 10 und eine PSA 10 sind nicht automatisch zum gleichen Marktpreis handelbar.
Beckett / BGS
Beckett bleibt eng mit Subgrades verbunden. Centering, Corners, Edges und Surface können dadurch differenzierter sichtbar werden.
Das bekannte BGS Black Label besitzt eine besondere Stellung im Hobby. Genau deshalb sollte es aber niemals Grundlage einer normalen ROI-Kalkulation sein.
CGC
CGC gehört 2026 zu den auffälligsten Wachstumsgeschichten im Grading-Markt.
GemRate erfasste für August rund 937.000 Karten. Das war ein Rekord und rund 114 % mehr als im August 2025.
Besonders im Pokémon-, TCG-, Comic- und Non-Sport-Bereich ist CGC etabliert. Bei Sports Cards sollte die Käuferakzeptanz weiterhin für das jeweilige Segment geprüft werden.
Vergleiche bei höherwertigen Karten nicht einfach „10 gegen 10“. Suche möglichst nach Verkäufen derselben Karte, derselben Variante, desselben Grades und desselben Graders. Ein Grade ist kein universeller Wechselkurs.
TAG, Technologie & Transparenz
TAG verdient 2026 deutlich mehr Aufmerksamkeit als noch vor einem Jahr.
Nicht, weil TAG PSA bereits bei Marktgröße, Slab-Population oder Liquidität eingeholt hätte. Davon ist das Unternehmen weiterhin weit entfernt.
Interessant ist vielmehr der Ansatz: TAG versucht stärker zu erklären, warum eine Karte einen bestimmten Grade erhalten hat.
Der Digital Imaging & Grading Report
Bei vielen klassischen Grading-Ergebnissen bekommst du vor allem eine Zahl. Vielleicht eine 9, vielleicht eine 10.
Welche konkreten Mängel den Grade begrenzt haben, ist daraus nicht immer ersichtlich.
TAG kombiniert den Slab deshalb mit einem digitalen Imaging- und Grading-Report. Der praktische Mehrwert liegt weniger in einem Technologie-Schlagwort, sondern in der zusätzlichen Dokumentation.
| Ansatz | Vorteil | Grenze |
|---|---|---|
| Klassisches Grading | Bekannte Labels und starke Liquidität bei etablierten Gradern | Häufig wenig Erklärung für den konkreten Grade |
| Subgrades | Mehr Einblick in einzelne Condition-Bereiche | Erklären nicht automatisch jeden konkreten Defekt |
| Digitale Reports | Mehr Dokumentation und stärkerer Lerneffekt | Marktakzeptanz hängt weiterhin vom Grader ab |
| Technologiegestützte Analyse | Potenzial für mehr Messbarkeit und Reproduzierbarkeit | Technologie allein erzeugt noch keine Secondary-Market-Liquidität |
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TAG wächst sichtbar
GemRate erfasste im August 2026 rund 58.000 TAG-gegradete Karten. Das war ein neuer Rekord und rund 76 % mehr als im August 2025.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass auch starkes Wachstum bei einem kleineren Grader operative Grenzen erreichen kann.
TAG meldete zeitweise einen aktiven Backlog, der auf dem Peak ungefähr 420 % der damaligen monatlichen Verarbeitungskapazität entsprach.
Bis Ende August hatte das Unternehmen diesen Rückstand nach eigenen Angaben um ungefähr 76 % vom Peak reduziert. Der aktive Load lag zu diesem Zeitpunkt noch bei ungefähr 101 % der monatlichen Kapazität.
TAG öffnete deshalb zunächst nur begrenzte Submission Drops, während bestehende Orders weiter abgearbeitet wurden.
Steigende Submission-Zahlen sind ein interessantes Signal, aber noch kein Beweis für PSA-ähnliche Marktliquidität. Entscheidend ist langfristig, ob mit mehr TAG-Slabs auch mehr Käufer, mehr verlässliche Sales Comps und ein tieferer Secondary Market entstehen.
Wenn dein Ziel Education ist, kann ein detaillierter Report besonders wertvoll sein. Schätze vor der Submission selbst den Grade, notiere mögliche Defekte und vergleiche deine Einschätzung später mit dem tatsächlichen Ergebnis.
Die vier Grading-Kriterien
Unabhängig vom gewählten Grader solltest du deine Karte vor einer Submission selbst möglichst kritisch prüfen.
Im Zentrum stehen fast immer vier Bereiche: Centering, Corners, Edges und Surface.
| Kriterium | Typisches Problem | Warum wichtig? | Self-Check |
|---|---|---|---|
| Centering | Karte wirkt gerade, ist aber messbar off-center | Kann den maximalen Grade begrenzen | Border links/rechts sowie oben/unten vergleichen |
| Corners | Whitening, Druckstellen oder minimal weiche Ecken | Hohe Grades verlangen sehr saubere Ecken | Vorder- und Rückseite unter Vergrößerung prüfen |
| Edges | Chipping, Rough Cuts oder kleine Kerben | Bei dunklen Designs besonders schnell sichtbar | Kanten unter Licht und auf dunklem Hintergrund prüfen |
| Surface | Print Lines, Kratzer, Dimples, Roller Marks oder Scuffs | Bei modernen Chrome-, Foil- und Holo-Karten häufig entscheidend | Karte langsam unter starkem Licht aus mehreren Winkeln kippen |
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Surface wird besonders häufig unterschätzt
Eine Chrome- oder Foil-Karte kann frontal nahezu perfekt aussehen und unter schrägem Licht plötzlich feine Print Lines, Dimples oder Kratzer zeigen.
Gerade diese kleinen Defekte können entscheiden, ob aus einer optisch starken Karte eine 10, eine 9 oder ein niedrigerer Grade wird.
Typische Grade-Killer
- feine Print Lines auf Chrome-Oberflächen
- kleine Dimples in Foil- oder Holo-Flächen
- minimale Kratzer durch Handling
- leichtes Whitening auf der Rückseite
- schwaches Centering trotz sauberer Ecken
- Chipping bei dunklen Kartenrändern
Wenn deine gesamte Kalkulation nur bei einer 10 funktioniert, musst du vor der Submission wie ein Grader prüfen – nicht wie ein Fan.
Den richtigen Grader wählen
Die schlechteste Ausgangsfrage lautet: Welcher Grader ist der beste?
Die sinnvollere Frage lautet: Welcher Grader passt zu meinem Ziel?
Genau deshalb ist dieser Abschnitt bewusst als Entscheidungshilfe aufgebaut und nicht als weitere Datentabelle.
Möglichst liquide verkaufen
Priorisiere Käufervertrauen, vorhandene Sales Comps und tatsächliche Marktakzeptanz.
Prüfe immer Verkäufe derselben Karte im selben Slab.
Langfristig selbst behalten
Schutz, Slab-Optik, Label-Design und persönliche Präferenz können wichtiger sein als maximaler Resale.
Deine PC muss nicht nach der Logik eines Dealers aufgebaut sein.
Reputation im Segment
Bei Vintage spielen Authentifizierung, langjährige Marktakzeptanz und bekannte Grader eine besonders große Rolle.
PSA und SGC anhand konkreter Vintage-Comps vergleichen.
Segment statt Sports-Logik
Pokémon, TCG, Comics und Non-Sport können andere Käuferpräferenzen besitzen als Sports Cards.
PSA, CGC und BGS im konkreten Markt vergleichen.
Aus dem Grade lernen
Wenn du dein eigenes Pre-Grading verbessern möchtest, können Subgrades oder detaillierte Reports besonderen Mehrwert liefern.
Ergebnis mit deiner eigenen Vorhersage vergleichen.
Schnell wieder verfügbar sein
Bei aktuellen Rookies, Prospects oder kurzfristig heißen Karten kann Turnaround entscheidend sein.
Nicht nur Fee, sondern Zeit bis zur Rückkehr rechnen.
Für eine moderne Prospect-Auto, eine Vintage-Baseballkarte, eine Pokémon-Chase, eine Marvel-Karte und eine PC-Karte muss die richtige Grading-Entscheidung nicht dieselbe sein.
Kosten, Comps & ROI
Die Grading Fee ist nur ein Teil der Rechnung.
Eine saubere Kalkulation betrachtet den gesamten Submission-Prozess.
| Kostenfaktor | Warum relevant? |
|---|---|
| Grading Fee | Grundpreis des gewählten Service-Tiers |
| Versand | Hin- und Rückversand beziehungsweise Middleman-Logistik |
| Versicherung | Besonders bei höherwertigen Karten relevant |
| Middleman / Dealer | Je nach Submission-Weg zusätzliche Handling-Kosten |
| Upcharges | Können abhängig von Service und Kartenwert entstehen |
| Gebundenes Kapital | Karte steht während des Turnarounds nicht zum Verkauf zur Verfügung |
| Verkaufsgebühren | Plattform- und Zahlungsgebühren gehören in die finale ROI-Rechnung |
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Die gefährliche 10er-Rechnung
Eine typische Fehlkalkulation sieht ungefähr so aus:
Raw 100 € → PSA 10 verkauft sich für 300 € → also graden.
Die entscheidende Zeile fehlt: Was passiert bei einer 9?
Wenn eine PSA 9 derselben Karte beispielsweise nur wenig über dem Raw-Wert verkauft wird, können Grading, Versand und Gebühren den gesamten theoretischen Mehrwert auffressen.
Rechne mindestens drei Szenarien: Raw behalten oder verkaufen, realistischer Grade und Best-Case-Grade. Wenn nur das Best-Case-Szenario funktioniert, ist die Submission wirtschaftlich deutlich riskanter.
Sold Comps statt Ask Prices
Ein Listing zeigt, was jemand für eine Karte haben möchte. Ein Sold Comp zeigt, was ein Käufer tatsächlich gezahlt hat.
Auch Sold Comps müssen allerdings vergleichbar sein: gleiche Karte, gleiche Parallel, möglichst ähnlicher Zeitpunkt und bei Slabs derselbe Grader und derselbe Grade.
Practical Tips: Deine Submission Checklist
Eine gute Submission beginnt nicht beim Ausfüllen des Formulars. Sie beginnt bei der Frage, warum genau diese Karte überhaupt gegradet werden soll.
- Karte exakt identifizieren: Set, Jahr, Kartennummer, Parallel und Variante prüfen.
- Raw-Wert prüfen: Was wird dieselbe Karte ungegradet tatsächlich verkauft?
- Sold Comps suchen: Nicht nur aktive Listings verwenden.
- Mehrere Grade-Szenarien rechnen: Was passiert bei einer 9? Was passiert bei einer 10?
- Centering kontrollieren: Vorder- und Rückseite prüfen.
- Corners kontrollieren: Besonders auf Mikro-Whitening und Druckstellen achten.
- Edges kontrollieren: Chipping und kleine Kerben unter geeignetem Licht prüfen.
- Surface prüfen: Karte langsam unter starkem Licht aus mehreren Winkeln bewegen.
- Alle Kosten rechnen: Grading, Versand, Versicherung, Middleman und mögliche Upcharges.
- Turnaround prüfen: Nicht mit historischen Laufzeiten kalkulieren, wenn der Grader aktuell einen Backlog hat.
- Grader nach Ziel auswählen: Resale, PC, Vintage, TCG, Education oder Timing?
- Karte vor Versand dokumentieren: Vorderseite, Rückseite und auffällige Stellen fotografieren.
- Eigenen erwarteten Grade notieren: Schreibe vor der Submission auf, welchen Grade du erwartest und warum.
- Nach Rückkehr vergleichen: Nur so verbessert sich dein eigenes Auge über mehrere Submissions hinweg.
Eine Karte nicht zu graden kann die richtige Entscheidung sein. Wenn Kosten, Condition, Turnaround oder dein persönliches Sammelziel nicht für eine Submission sprechen, muss ein Slab nicht automatisch der nächste Schritt sein.
Quellen & Stand
Grading-Volumen, Backlogs, Submission-Zugang und Turnaround-Zeiten verändern sich laufend. Die dynamischen Angaben in diesem Guide wurden deshalb für das Update im September 2026 erneut geprüft.
- PSA – Backlog Tracker: aktueller PSA-Backlog, Updates vom Juli bis September 2026.
- PSA Europe: offizieller Rollout des Frankfurter Authentication- und Grading-Centers.
- PSA – Grading Standards: offizielle Bewertungsstandards.
- GemRate – August 2026 Grading Recap: monatliches Grading-Volumen von PSA, CGC, Beckett, TAG und SGC.
- TAG – Backlog Tracker: operative Updates, Processing-Kapazität und Submission Drops.
- TAG – Digital Imaging & Grading Reports: Informationen zum digitalen Reporting-System.
- CGC Cards: Grading-Skala und offizielle Standards.
- Beckett: Informationen zu Card Grading und Subgrades.
- Collectors / SGC: Informationen zur aktuellen Markt- und Unternehmensstruktur.
Prüfe vor einer konkreten Submission immer noch einmal die aktuellen Bedingungen des jeweiligen Graders. Service-Tiers, Preise, Annahmestopps, Turnaround-Zeiten und europäische Submission-Wege können sich ändern.
Final Thoughts
Grade mit Absicht – nicht aus Gewohnheit
Grading kann ein starkes Werkzeug sein. Es kann Karten schützen, Authentizität dokumentieren, Verkäufe vereinfachen und Condition besser vergleichbar machen.
Gleichzeitig zeigt 2026 sehr deutlich, dass Grading selbst ein eigener Markt geworden ist. PSA verarbeitet Millionen Karten und arbeitet trotzdem noch immer einen Backlog von knapp zehn Millionen Items ab. Mit Frankfurt entsteht erstmals echte PSA-Grading-Infrastruktur direkt in Kontinentaleuropa.
CGC wächst stark. TAG erreicht neue Volumenrekorde und stellt mit detaillierten Reports eine andere Form von Transparenz neben das klassische Grading-Modell.
Mehr Auswahl ist grundsätzlich gut. Sie macht die Entscheidung aber nicht automatisch einfacher.
Nicht jede Karte muss gegradet werden. Nicht jede Raw Card ist schlechter. Nicht jede 10 ist automatisch ein gutes Investment. Und der bekannteste Grader ist nicht für jedes Sammelziel automatisch die beste Wahl.
Die wichtigste Regel bleibt deshalb: Grade mit Absicht, nicht aus Gewohnheit.
Prüfe zuerst die Karte. Dann die Condition. Dann die Kosten und realistischen Comps. Danach dein Ziel. Und erst dann das Logo, das später auf dem Slab stehen soll.
Am Ende ist die Karte der Kern. Der Slab ist nur der Rahmen.
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